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Ranking-Organisationen: Wer bewertet?

Rankings von Zeitschriften

Rankings werden von drei grundlegend verschiedenen Gruppen durchgeführt, namentlich von den Medien, den Bildungsbehörden und den Bildungsinstitutionen.

Die ersten Rankings wurden von Zeitschriften erstellt. Sie sollten das Interesse der Leserschaft wecken und ihr einen Dienst bereitstellen, waren aber in erster Linie wirtschaftlich motiviert. Die wirtschaftliche Bedeutung der Rankings für die Medien wird an der Anzahl der Zeitschriften und Zeitungen deutlich, die regelmässig Rankings veröffentlichen:

  • USA: US News and World Report, Washington Monthly, Newsweek, Forbes, Business Week, Wall Street Journal
  • Kanada: Mac Lean's Magazine
  • Grossbritannien: Financial Times, The Times, Times Higher Education Supplement, The Guardian, Economist
  • Deutschland: Spiegel, Fokus, Wirtschaftswoche, Karriere
  • Frankreich: Le Nouvel Observateur, Libération

Bildungsbehörden und -institutionen

In einigen Ländern werden Rankings (oder Ratings) von Bildungsbehörden erstellt. Grossbritannien beispielsweise führt eine offizielle Bewertung der Qualität des Studiums (teaching quality assessment) und der Forschungsleistungen (research assessment exercise) durch, und in den Niederlanden erstellen die wissenschaftlichen Akademien und die Universitätsdirektorenkonferenz Forschungsratings. In anderen Ländern nehmen spezialisierte Bildungsinstitutionen ihre eigenen Rankings vor. In diese Kategorie gehören die in der Zeitung Die Zeit veröffentlichten Lehr- und Forschungsrankings des deutschen Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das Shanghai-Ranking der Jiao Tong-Universität in China, das Ranking der Doktoratsprogramme des National Research Council in den USA sowie die das unlängst eingeführte Leiden Ranking des Centre for Science and Technology Studies (CWTS) der Universität Leiden in den Niederlanden.

Zeitschriftenrankings, Gewinner, Verlierer und Fluktuation der Ergebnisse  

Das Interesse dieser Akteure und die Art ihrer Einflussnahme sind recht unterschiedlich. Die lesermarktorientierten Rankings der Medien ziehen eindeutige Ergebnisse in Form von Ranglisten und klare Gewinner und Verlierer in einem dramatischen Platzkampf vor, selbst wenn dies mit einer übermässigen Simplifizierung und einem Verlust an Genauigkeit einhergeht. Grosse Veränderungen bei der Platzierung erhöhen die Spannung, auch wenn bezweifelt werden muss, inwieweit markante Auf- oder Abstiege von einem Jahr zum nächsten die wirklichen Veränderungen innerhalb der Universität widerspiegeln. Ein Blick auf das THES-Ranking verdeutlicht das Problem: Osaka, Japan, belegte 2004 Platz 69, 2005 Platz 105 und 2006 Platz 70, die Ecole Polytechnique in Frankreich stieg von Platz 27 im Jahr 2004 auf Platz 10 im Jahr 2005 auf, um 2006 auf Platz 37 zurückzufallen, Genf war 2004 überhaupt nicht platziert, belegte im Jahr 2005 Platz 88 und 2006 Platz 39. Diese Schwankungen können nicht überzeugend erklärt werden. Sie verweisen auf grundlegende methodologische Mängel und stellen die Zuverlässigkeit des gesamten Rankings in Frage. Der wirtschaftliche Erfolg der Zeitschrift mag davon unberührt bleiben, für die betroffenen Universitäten hingegen kann dies schwerwiegende Konsequenzen haben.

Rankings von Bildungsexperten sind eventuell zuverlässiger

Die von den Bildungsträgern durchgeführten Rankings sind eher an der Steuerung des Wandels und der Entwicklung im Hochschulsystem interessiert und in der Regel auf spezifische Leistungsbereiche und Regionen fokussiert. Die angewendeten Methodiken sind differenzierter und transparenter und werden von den Beteiligten diskutiert. Bildungsträger können ihre Rankings als Grundlage für wichtige finanzielle Entscheidungen heranziehen. Dies ist in Grossbritannien und in den Niederlanden der Fall. Andere Bildungsinstitutionen wie beispielsweise das deutsche CHE und die Jiao Tong-Universität in Shanghai vertrauen auf den Einfluss der öffentlichen Meinung und auf das Spiel der Marktkräfte.