Die Objekte der Hochschulrankings: Was wird bewertet?

Rankings sind unterschiedlich: Sie bewerten ganze Universitäten, Fachbereiche, Fächer, Programme und nationale Hochschulwesen

Einige Rankings bewerten ganze Universitäten oder einzelne Leistungsbereiche wie beispielsweise Lehre, Forschung oder Executice-Education-Programme, andere dagegen das universitäre Angebot einzelner Länder. Eine Vielzahl von Rankings vergleicht einzelne Fächer (z. B. Biologie, Psychologie, Rechtswissenschaften) oder Programmtypen, beispielsweise Bachelor- und Master-Programme, MBA-Programme (Master of Business Administration) oder EMBA-Programme (Executive Master of Business Administration) im Bereich der Executive Education.

Jedes Ranking ist an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet

Jedes Ranking wendet sich an eine bestimmte Zielgruppe. So ist die Bewertung der Lehre an zukünftig und gegenwärtig Studierende gerichtet, während die Bewertung der Forschung an die Wissenschaftsgemeinde und Geldgeber und die Bewertung von Executive-Education-Programmen an potenzielle und bestehende Teilnehmende adressiert sind. Behörden und politische Entscheidungsträger wiederum sind in erster Linie an den Rankings spezifischer Länder und ganzer Universitäten interessiert. Die Bewertung ganzer Universitäten und der Vergleich zwischen höchst unterschiedlichen Institutionen stellt jedoch insofern eine Herausforderung dar, als diese in einem Leistungsbereich – z. B. in der Forschung oder der Lehre – oder in einem oder wenigen Fächern sehr leistungsfähig sein können, in anderen hingegen weniger. Zudem können sie ausschliesslich auf spezifische Bereiche konzentriert sein und in anderen Bereichen keine Leistungen anbieten. Angesichts dieser Tatsache stellt sich die Frage, auf welche Weise und in welchem Masse Rankings die unterschiedlichen Ausrichtungen überhaupt berücksichtigen können.

Vergleich zwischen dem Shanghai und dem THES Ranking

Das Shanghai-Ranking beispielsweise stützt sich ausschliesslich auf forschungsbezogene Indikatoren (Nobelpreise und fachspezifische Auszeichnungen, Publikationen in anerkannten Fachzeitschriften, Zitationsrate), während das THES-Ranking einen vielfältigen Indikatorenmix verwendet und dabei die Forschungsreputation (40%), den Forschungs­impakt (20%), die Qualität der Lehre (20%), den Ruf bei internationalen Arbeitgebern (10%) und die Anteile der ausländischen Lehrenden und Studierenden (10%) berücksichtigt. Diese Beispiele zeigen, dass das dem Shanghai-Ranking zugrunde liegende Konzept einer leistungsfähigen Universität sich markant vom Konzept des THES-Rankings unterscheidet. Beide messen und ranken die gleichen Universitäten, aber die Objekte ihrer Mess- und Bewertungstätigkeit sind höchst verschieden. Während das weitgehend als Hochschul­rangliste interpretierte Shanghai-Ranking im Grunde ein Forschungsranking darstellt, aggregiert das THES-Ranking Aspekte der Forschung, Lehre, Arbeitsmarkt­qualifikation und Internationalität der Lehrenden und Studierenden in recht willkürlicher Weise. Über die genannten Konzepte hinaus sind weitere Konzepte einer Hochschule denkbar, auf die sich Rankings stützen und folglich höchst unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen können.

Rankings sollten sich auf eingegrenzte Leistungsbereiche beziehen

Der Wunsch nach einem Ranking ganzer Universitäten ist verständlich, aber es bleibt grundsätzlich offen, ob – selbst in einer politisch und kulturell relativ homogenen Region – ein einheitliches Konzept darüber besteht oder bestehen kann, was eine leistungsfähige Hochschule ausmacht. Da heute kein einheitliches Konzept vorliegt, sollten sich Rankings auf definierte Leistungsbereiche wie Lehre, Forschung und Weiterbildung sowie auf spezifische Fächer beschränken.